OLGA TUCEK

LIEDKUNST & BüHNENAKTIVISMUS

Von 2017  bis 2019 schrieb ich Kolumnen fürs Aargauer Kulturmagazin AAKU

Hier eine Auswahl:


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01/04/2019

Agnus Dei

Kaum waren im Januar die letzten, entschmückt - verdorrten Tannenleichen nach getaner Besinnlichkeitssimulation grün abgeführt und die letzten, granitartig dentaldesaströsen Endjahresgebäckstücke in den Gebührensäcken versenkt, funkelten in den Regalen der Grossverteiler bereits feierlich die güldnen Lauscher rotmaschig strangulierter, Erdöl angereicherter Hasenklassiker, währenddem ihre monströsen Gummipuppen-Attrappen aufgebläht und festgezurrt von den Flachdächern shoppingfähiger Tankstellen starrten. Früh sprünglet, wer Marktführer werden will! Denn, obschon die eierschwingende Auferstehungsparty dem jungfräulichen Krippengeburtstag ökonomisch nicht das Weihwasser reichen kann, lässt sich auch dieser magenlastigen Tradition durchaus ein ordentlicher, animalisch proteinreicher Gewinn abringen! In den Tierfabriktempeln warten bereits die frisch geschlüpften Legehennen auf ihre 80 Produktions - und Lebenstage.


Für die 2,5 Millionen männlichen Schweizer Küken, putzig goldgelb aus Chenille nachgebildet im giftgrünen Holzwolle- Ostergraskörbchen sitzend, herrscht bereits am Tag eins Kohlendioixid - Karfreitag . Das Milchopferlamm Gottes wird nach sechs Monaten von paternalen Henkerspriestern per Bolzenschuss auf seine Himmelfahrt geschickt, und auch der vermeintlich gewissensentlastete Bioknospen-Osterschinken starb halbbetäubt und in panischer Todesangst per Stich in den Hals. Welch’ würdig passender, kulinarischer Rahmen für das grosse Kreuzfolterfest der Bluttrinker!



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