OLGA TUCEK

LIEDKUNST & BüHNENAKTIVISMUS

Von 2017  bis 2019 schrieb ich Kolumnen fürs Aargauer Kulturmagazin AAKU

Hier eine Auswahl:


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01/06/2019

Hortikulturelles

Bis Mitte Mai zerschlug die frostige Faust eisiger Scheinheiligkeit sämtliche, von eidgenössigen SchreberistInnen gehegten Hoffnungen auf erneute, klimagewandelte Rekordtemperaturen. Die früh erblühten Obstbäume bogen sich unter der weissen Last jäher, für einmal ungekünstelter Beschneiung, die schlotterbimmelnden Maischellen mutierten verwirrt zu säumigen Schneeglocken und manch’ ein antizipiert in die Scholle geschürfter Paradiesapfel hauchte seine unterkühlte Seele aus dem tomatösen Leib. Die himmelfahrenden Emissionen des raketengleich gen Orbit düsenden Sandalensohns jedoch, begünstigten am Wonnenende die ambitiösen Vorhaben der Pflanzophilen und ermöglichten es den desperat vor sich hin mulchenden Gartenzentren dann doch noch, den grossen Hornbach zu machen. So erstickt in helvetischen Grünanlagen nun wieder frisch verlegtes Unkrautflies sowohl unerwünschte Mitspriesser, wie auch potenzielle Gartenästhetik, es kichern monsante Nachtschattengewächse aus agrolen Gewächsresidenzen, Round Up herbizidiert glyphosatisfaktionierend den Wildwuchs von den Kiesabwegen, in Torfbeeten erblühen gar in manchem Patridiotengarten exotische Scheinasylanten, und im Steingarten, dem Tschernobyl unter den Bordzierflächen, hocken polyurethane Buddhas von Tchibo unter dem, von grellweissem Kalkschotter umzingelten, japanischen Fächerahorn. Bei soviel hortikulturellem Anthropozentrismus bleibt Bienen und Vögeln nur noch der Hungerstreik und Igeln die Flucht über die Strasse!



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